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HISTORISCHE ROSTOCKER BAUWERKE

Die St.-Marien-Kirche

Förderverein "Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock e.V." (Text), Berthold Brinkmann (Fotografie, historische Abbildungen), Frank Schlößer (Fotografie) sowie historische Aufnahmen aus den Sammlungen Volkmar Baier und Hans Joachim Vormelker.

Zunächst war die Kirche der Mittelstadt eine frühgotische Hallenkirche, die sich höchstens durch ihre Größe von ähnlichen Dorfkirchen unterschied. Nun aber, nach ihrer Erhebung zur Rats- und Hauptpfarrkirche, genügte sie nicht mehr dem Repräsentationsbedürfnis der Stadtvertreter. Es wurde beschlossen, die Kirche zu einer Basilika mit einem aus fünf Kapellen bestehenden Chorumgang umzubauen. Östlich des bereits bestehenden Hallenbaus baute man zuerst den Kapellenkranz und vereinte diesen dann nach und nach mit dem zur Basilika umgestalteten Baukörper. Auch an dem wuchtigen Westwerk wurde weitergebaut. Der Plan, einen Doppelturm zu errichten, bestand zu dieser Zeit offenbar noch. Dieses Baugeschehen zog sich insgesamt über einen Zeitraum von rund einhundert Jahren hin. Dann gab es 1398 eine nochmalige Änderung der Baupläne: Mitten durch die Basilika sollte ein mächtiges Querhaus gebaut werden, das den Grundriß einer einschiffigen Hallenkirche besaß. Was letztendlich diese neue Konzeption auslöste, ist nicht mit Sicherheit bekannt. Eine in das Mauerwerk rechts neben dem Haupteingang der Kirche eingelassene Steintafel erzählt, daß im Jahre 1398 "St. Gregor (12. März) die Kirche niederbrach und St. Georg (23. April) sie neu errichtete". Hatte es einen - eventuell durch mangelnde Statik verursachten Einsturz gegeben, wollte man den relativ schwachen Längswänden des Mittelschiffes mehr zusätzlichen Halt geben, oder war das Querhaus geplant, um einen noch prächtigeren Kirchbau zu schaffen? Wir wissen es nicht. Die Kürze der Zeit, die zwischen Abbruch und Neubau liegt - es sind nur sechs Wochen deutet auf eine längerfristige Vorbereitung hin. Woher sollte sonst so schnell die notwendige Planung und die Menge an Baumaterial kommen?

Jedenfalls begann der Bau des Querschiffes noch im Jahre 1398. Auf die zuvor noch geplanten Strebebögen, die den Schub der Gewölbe abfangen und an die tiefergelegenen Außenwände der Seitenschiffe und deren Stützpfeiler ableiten sollten, verzichtete man gänzlich. Die Stellen, wo sie gebaut werden sollten, kann man aber bis heute im Mauerwerk des Mittelschiffes sehen. Die neuen Bauteile prangen mit Wechselschichten aus grünlich glasierten und unglasierten Backsteinen im Außenmauerwerk.

Am 12. November 1419 wurde in der noch im Bau befindlichen Kirche die älteste Universität Norddeutschlands feierlich eröffnet, 35 Jahre später waren dann auch die letzten Gewölbe geschlossen. Auf den ehemals vorgesehenen Doppelturm verzichteten die Rostocker Stadtväter jedoch, nachdem sich das südliche Turmmauerwerk im Laufe der Bauzeit ein wenig nach Osten geneigt hatte. Aus Furcht, daß die geplanten Spitzen den Turm allzusehr belasten und möglicherweise zum Einsturz bringen könnten, beendete man den Turmbau mit einem gewaltigen Zeltdach und mit einer zierlichen Spitze über dem Mittelturm, der zu diesem Zweck um eine Etage erhöht wurde. Vielleicht aber fehlte es auch nur an den finanziellen Mitteln für das riesige Doppelturmwerk. Wir wissen es nicht, und die Akten schweigen.

Als während des Zweiten Weltkrieges die Stadt Rostock 1942 und 1944 das Ziel angloamerikanischer Bombenangriffe war, bestand auch für die St.-Marien­Kirche allerhöchste Gefahr. Nur das beherzte Eingreifen einiger weniger Menschen unter Führung des Turmdieners Friedrich Bombowski verhinderte, daß die Marienkirche das gleiche Schicksal erlitt wie die drei anderen großen Stadtkirchen, die vollständig ausbrannten.

Aber ganz ohne Schäden ist sie damals natürlich auch nicht davongekommen: Die Fenster wurden von Bombensplittern durchlöchert, ebenso das Kupferdach. Durch die schweren Detonationen entstanden tiefe Risse in den Gewölben und im Mauerwerk. Insgesamt gesehen aber überstand die St.-Marien­Kirche als einzige der Rostocker Pfarrkirchen das Inferno des Bombardements, das wesentliche Teile der Stadt in Schutt und Asche legte.

Nach Kriegsende wurden alle vorhandenen Baustoffe vordringlich für den Wohnungsbau benötigt. Parallel dazu mußte die Industrie wiederaufgebaut und erweitert werden. Erst danach konnte man daran denken, sich nun auch dem Erhalt der St.-Marien-Kirche zuzuwenden. Notdürftig wurden Dach und Fenster geflickt, um das Gotteshaus wenigstens benutzen zu können. An eine planmäßige Sanierung des gesamten Bauwerkes war erst nach der politischen Wende 1989/1990 zu denken. Seitdem gibt es auch den Förderverein "Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock e. V.", dessen Mitglieder ausschließlich ehrenamtlich tätig sind.

Die Fünte

Der bronzene Taufkessel, die "Fünte" (lat. Fons = Quelle, Born), aus dem Jahre 1290 ist neben einer gleichaltrigen Glocke das älteste noch erhaltene Ausstattungsstück der St.-Maricn-Kirche. Da die äußere Gestalt derjenigen im Hildesheimer Dom (ca. 60 Jahre älter!) ähnelt, vermutet man künstlerische und handwerkliche Beziehungen zwischen beiden Kunstwerken. Dabei ist die Hildesheimer Fünte noch ein Produkt der Romanik, während diejenige in Rostock bereits der Gotik zuzurechnen ist. Diese stellt in ihrem Bildprogramm das christliche Glaubensbekenntnis dar: Die vier Trägerfiguren, auf denen der Kessel ruht, halten Gefäße in ihren Händen, auf denen die Namen der sogenannten vier Urelemente - aqua, ignis, aer, terra = Wasser, Feuer, Luft, Erde - stehen und verkörpern damit den ersten Glaubensartikel "von der Schöpfung". Auf dem Kessel sind in zwei Reihen übereinander Szenen aus dem Leben Jesu angeordnet - von der Ankündigung der Geburt bis zur Auferstehung - und schildern den zweiten Glaubensartikel "von der Erlösung". Auf dem spitz zulaufenden Deckel finden wir schließlich eine Gruppe von zwölf Personen (Heilige, Bischöfe, Nonnen usw.), die Darstellungen von Taufe und Himmelfahrt Jesu sowie das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen. Alles unter dem Thema des dritten Glaubensartikels "von der Heiligung". Bekrönt wird die Fünte von einem Adler, der das Bekenntnis der Gläubigen zu Gott emportragen soll.

Nach den ersten Bombenangriffen auf Rostock wurde die Fünte in der Dorfkirche von Belitz bei Teterow vergraben und erst 1951 wieder in St. Marien aufgestellt. Einige der Schäden, die man heute an ihr beobachten kann, sind auf diese eilige Sicherungsmaßnahme zurückzuführen. Der Adler hatte sogar seine Flügel verloren. 1998 wurden die hölzernen Ersatzflügel wieder durch bronzene ersetzt.

Die Astronomische Uhr
www.astronomischeuhr.de

Hinter dem Hochaltar im Chorumgang steht die prachtvolle Monumentaluhr aus dem Jahre 1472. Ihre Wurzeln reichen bis zu einer Vorgängeruhr von 1379 zurück. Mitten irn Dreißigjährigen Krieg wurde sie 1641/43 instandgesetzt und um ein Musik- und Schlagwerk erweitert. Das Uhrenäußere erhielt damals seinen Spätrenaissancerahmen. Der Figurenaufsatz wurde im reformatorischen Geiste neu gestaltet, und die Ecken der Uhrscheibe wurden mit den Evangelistensymbolen versehen. Die Kalenderscheibe erhielt die noch heute zu findenden Datenarten.

Diese elf Meter hohe Uhr ist ein weltweit bedeutsames Zeugnis des handwerklichen Könnens, der künstlerischen Fähigkeiten, wissenschaftlichen Kenntnisse und tiefen Religiosität der Menschen des ausgehenden Mittelalters. Sie diente praktischen Zwecken und ist ikonographisch fest in die Ausstattung und das religiöse Anliegen der Kirche eingebunden. Immer auch war sie Gegenstand der Repräsentation von Stadt und Gemeinde sowie Objekt des Bürgerstolzes.

Das Besondere dieser "Wunderuhr" liegt darin, daß sie sich wie keine andere astronomische Großuhr innerlich und äußerlich in hohem Maße original erhalten hat und voll in Funktion ist. Es ist die einzige mittelalterliche deutsche Monumentaluhr mit zwei geschnitzten Tierkreisringen und einem ebenfalls geschnitzten figürlichen Monatsring. Ihr guter Erhaltungszustand ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß Stadt und Kirche und Bürger auch in schwierigen Zeiten immer noch rechtzeitig ihre Verantwortung gegenüber diesem kulturgeschichtlichen Kleinod wahrnahmen. So wurde sie z. B. 1943 zum Schutz gegen Bombenangriffe eingemauert und blieb bis 1951 in diesem Zustand, weil erst dann die Mittel für ihre Freilegung vorhanden waren. 1974/77 wurden ihre fünf Werke in die rund 2000 Einzelteile zerlegt, in aufwendiger Arbeit restauriert und wieder zusammengebaut.

Spätestens 2018 muß die Kalenderscheibe mit den seit 1994 vorliegenden Daten für die nächsten 133 Jahre versehen oder gänzlich erneuert werden. Die Werke der Uhr und das Gehäuse bedürfen einer ständigen Kontrolle und Wartung, damit Schäden rechtzeitig erkannt und behoben werden können. Schließlich gilt es, das von unseren Vorvätern geschaffene Werk, das von vielen Generationen behütet wurde, auch für die Nachfolgenden zu bewahren.

Die Kanzel

Jedem Besucher der St.-Marien-Kirche fällt der ungewöhnliche Standort der Kanzel auf. Sie ist relativ weit hinten im Mittelschiff an einem der starken Pfeiler angebracht. Das hat sicherlich seine Begründung darin, daß sie bereits 1574, relativ bald nach Einführung der Reformation in Rostock (1531), erbaut und dort angebracht wurde, wo sich die Gemeinde am besten versammeln konnte. Standen doch damals insgesamt 39 Nebenaltäre innerhalb der Kirche verteilt, und es gab noch kein Gestühl. Den meisten Platz gab es im Bereich der Vierung, wo sich Lang- und Querhaus kreuzen.

Als Künstler gilt Rudolf Stockmann aus Antwerpen, der in Rostock eine Werkstatt besaß und auch für andere Kirchen der Stadt und benachbarter Städte Kanzeln schuf. Er gestaltete einzelne Szenen aus dem Leben Jesu in den großen Bildfeldern des Kan­zelkorbes und der Treppe: Geburt und Taufe Jesu, die Austeilung des Heiligen Abendmahles, Kreuzigung und Auferstehung. Verklärung und Ausgießung des Heiligen Geistes. Auf kleinen Tafeln am unteren Rand der Kanzel sind die christlichen Tugenden dargestellt. Ein Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blut tränkt, dient als Stütze für die Buchablage.

Beinahe 150 Jahre später fertigten dann der Bildhauer Hartich und der Tischlermeister Müller den gewaltigen Schalldeckel für die Kanzel an. Damit sollte sicher die schwierige Akustik in der Kirche überwunden werden. Für die Gestaltung wählten die beiden Künstler Bilder aus dem Buch der Offenbarung des Johannes. Als Bekrönung steht oben auf der Kanzel ein Engel mit der Posaune des Jüngsten Gerichtes.

Auch an der Kanzel, dieser glücklichen Kombination aus Renaissance und Barock, hat der Zahn der Zeit kräftig genagt: Einige Zierelemente sind abgebrochen und müssen wieder befestigt oder ersetzt werden, und das gesamte Werk hat die Hände von Restauratoren dringend nötig.

Fragmente mittelalterlicher Glasmalereischeiben

Vor etwa einhundert Jahren hat ein kunstsinniger Rostocker, der uns heute unbekannt ist, Bruchstücke mittelalterlicher Bleiglasscheiben aus der Marienkirche aufgehoben und zusammensetzen lassen. Mit Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und einer Spenderin konnten sie 2003 restauriert und im Fenster der Brökerkapelle wieder eingesetzt werden. Zwei besonders gut erhaltene Tafeln zeigen den heiligen Andreas und den heiligen Thomas, erkennbar an ihren Attributen. Diese mittelalterlichen figürlichen Malereischeiben sind die einzigen in ganz Rostock erhalten gebliebenen.

Ergänzung durch Dr. Steffen Stuth: "Der Akt, der zum Erhalt der Scheiben geführt hat, ist nicht unbekannt. Sie kamen 1883 in das Rostocker Altertumsmuseum, wo sie bis weit in das 20. Jh. verwahrt und erhalten wurden und gelangten von dort wieder in die Kirche."

Spendenaufruf

Noch viele Jahre können Spender ihren gezielten Beitrag für die Rettung der Marienkirche einbringen. Bitte helfen Sie, eine der schönsten und bedeutendsten Kirchen des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu restaurieren! Jeder Betrag ist Hilfe und Ermutigung.

Bitte spenden Sie auf das Konto des Fördervereins "Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock e.V.":
Spendenkonto: OstseeSparkasse Rostock
BLZ 130 500 00
Kto.-Nr. 205 333 338

 

 

 

© 2006-08 Berthold Brinkmann

 

 
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