HISTORISCHE ROSTOCKER BAUWERKE
Ernst-Barlach-Straße 2 (ehemaliges Wohnhaus)
Um 1905. Foto: Sammlung Berth Brinkmann

Aufnahme 1933. Foto: Wolfgang Baier

 

Text: Hans-Heinrich Schimler
Fotos: Berth Brinkmann
und Sammlung

Das Haus Ernst-Barlach-Straße 2 ist in mehrfacher Hinsicht ein interessantes Beispiel Rostocker Stadt-, Bau- und Wirtschaftsgeschichte. Der Tarnowsche Stadtplan verzeichnet vor der Stadtmauer noch den Bürgermeistergarten und einen Weg mit gleicher Bezeichnung. Davor gelegen gab es bereits die Wallstraße . Die auf dem Terrain angelegte Neue Wallstraße lag dann einige Meter näher zur Stadmauer. Sie erhielt ihren Namen 1856. Die Bebauung begann jedoch schon früher. So wird die Errichtung des Hauses  bereits in die Zeit um 1842 datiert. Es handelte sich um einen klassizistischen Bau von einiger Repräsentanz.

Mehrere Umbauten veränderten das Haus in den darauffolgenden Jahrzehnten. So erhielt das Haus 1880 eine neue Fassade im Stil der Neorenaissance. Damals war Domänenrat F. Kortüm Eigner der Villa. Als Gutsbesitzer auf Zehna hatte er sie 1876 übernommen. Zuvor verzeichnet das Adressbuch von 1858 die verwitwete Frau Viece-Präsidentin Fromm als Eigner, wobei noch der als Ordentlicher Professor der Medizin an der Rostocker Universität wirkende Prof. Dr. Hermann Stannius im Hause wohnte. 1860 wird Ludwig Bencard, Domänenrat in Mechelsdorf als Besitzer des Hauses genannt.

1889 erwarb der Kaufmann Georg Mahn das Haus. Er war Mitbesitzer der Brauerei Mahn & Ohlerich. 1897 begannen größere Umbauarbeiten. So wurde statt des ursprünglichen Flachdachs das noch immer vorhandene Steildach errichtet. Die Zeichnungen für die Arbeiten lieferte der Rostocker Baumeister Ludwig Berringer. Sie schlossen auch den Einbau eines Festsaales ein. Den Auftrag dazu erhielt der Architekt des benachbarten Ständehauses Ludwig Möckel. Folglich schuf er ein für ihn typisches innenarchitektonisches Ensemble mit geschwungenen Holztreppen, Holztäfelungen, Parkettfußboden und einem Kamin im Stil des Eklektizismus. Offen bleibt die Frage, zu welchem Zweck ein Unternehmer in seinem privaten Haus einen derart aufwändig ausgestatteten, repräsentativen Saal errichten ließ. Eine Erklärung könnte sein, dass Mahn Freimauer war. Folglich ließe sich vermuten, dass der Raum für freimaurerische Tempelarbeit genutzt wurde. Einen Beleg dafür gibt es jedoch, soweit bekannt, bislang nicht. 1936 kaufte die Mecklenburgische Industrie- und Handelskammer das Haus. Im gleichen Jahr wurde ein Verbindungsgang zum benachbarten Haus Nummer 1 errichtet, das schon Sitz der Kammer war. Seit 1945 beherbergte die Villa den Rostocker Sitz der Industrie- und Handelskammer. 1961 zog die SED-Kreisleitung Rostock-Land das Haus. 1993 erhielt die IHK ihren Sitz zurück. 1996 und 1997 wurde das Haus einschließlich seines Saales restauriert.

 
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