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HISTORISCHE ROSTOCKER BAUWERKE
Kröpeliner Straße 85 (Geschäftshaus)

von Hans-Heinrich Schimler (Text) und Berth Brinkmann (Fotografie)

Die Beschäftigung mit dem Haus Kröpeliner Straße 85 gebietet wieder einmal den Tarnowschen Stadtplan von 1780/90 zum Vergleich heranzuziehen. Er zeigt uns, dass an dieser Stelle bis zum benachbarten Grundstück hin die Kirche des Heiligen-Geist-Hospitals stand. 1818 wurde sie abgerissen. Das Eckgrundstück zur Faulen Grube sollte fortan unter der Adresse Hopfenmarkt 32 zu einer Stätte Rostocker Druckerei- und Zeitungsgeschichte werden.

Universitätsbuchdrucker Friedrich Behm führte die bis dahin in der heutigen Kröpeliner Straße 77 an der Ecke zur Eselföterstraße ansässige Druckerei Adlers Erben und errichtete auf dem nun von ihm erworbenen Platz ein Gebäude, in dem am 8. Juli 1819 die erste Ausgabe der in diesem Hause gedruckten "Rostocker Zeitung" erschien.

Das klassizistische Gebäude wurde später noch einmal verändert und ist mit seinen Pilastern in den oberen Etagen, dem Mansarddach und vor allem den fünf Handel und Handwerk darstellenden Reliefs über der ersten Etage einer der ansehnlichsten Bauten in der Kröpeliner Straße. Die 1635 gegründete "Raths.-u. Universitäts-Buchdruckerei Adlers Erben" warb auch als Lithographische Anstalt für sich und produzierte neben der Tageszeitung auch Geschäftsbücher und andere Drucksachen. Als 1841 Carl Behm die Geschäfte übernahm, sollte er der letzte Universitätsbuchdrucker in Rostock werden. 1863 erlosch dieser Titel. 1847 hatte er auch den Verlag der "Rostocker Zeitung" übernommen. Nach Behms Tod wurde sein Schwiegersohn Geschäftsführer.

Am 30. April 1902 erwarb Gustav Boldt die Druckerei Adlers Erben. Das Haus wurde entlang der Faulen Grube erweitert. Damals entstand auch der Übergang zur anderen Straßenseite. Boldt, in dessen Hof-Buchdruckerei am Blücherplatz der "Rostocker Anzeiger" gedruckt wurde, hatte die Konkurrenz geschluckt. Am 30. September 1921 erschien die "Rostocker Zeitung" zum letzten Mal. Adlers Erben war auch der Verlag für den Vagel-Grip-Kalender. Außerdem ist in den Adressbüchern zu lesen, dass die Druckerei als "Plakat-Institut für das öffentliche Anschlagwesen in Rostock" fungierte.

Die Druckerei wurde 1947 enteignet, hieß dann zunächst VEB Rostocker Verlag und Druckerei und seit dem 1. Juni 1948 Schweriner Landesdruckerei Werk II.

Das Adressbuch von 1949/50 verzeichnet noch andere Nutzer, darunter den Kreis- und Ortsverband der National-Demokratischen Partei Deutschlands, die Raiffeisen-Genossenschaft, das Ledergeschäft Schüler und den Mieter Magnus Köhn, der viele Jahre Buchdrucker und Buchdruckermeister im Ostsee-Druck Rostock war.

Mit der Schaffung der Bezirke entstand die Ostsee Zeitung, Verlag und Druckerei. Die erste Ostsee Zeitung wurde am 15. August 1952 auf der im rechts der Faulen Grube gelegenen Gebäudeteil gedruckt, die letzte vor dem Umzug in die neue Druckerei in der Richard-Wagner-Straße am 24. Januar 1964.

Universitätsbuchhandlung und Norddeutsches Antiquariat waren für die nächsten Jahre die Nutzer. Heute hat neben anderen Mietern die Lokalredaktion der Ostsee Zeitung ihren Sitz im Haus, das seine Tradition damit fortsetzt.

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